Politische Bilder


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Landschaftsmalerei hat einen ‚Sitz im Leben’, indem sie an unser tägliches oder bewusst in der Ferne gesuchtes Erleben der Wirklichkeit gebunden ist. Unser Sehen wird jedoch, seit es Photographie und technische Verbreitungsmedien gibt, zunehmend durch Bilder überflutet, die uns nicht ‚naheliegende’ Ereignisse und Zustände wahrzunehmen erlaubt und unser ‚Erleben’ damit in neuartiger Weise erweitert. Wir erleben täglich diese mediale Nähe durch Presse, Film, Fernsehen und – jüngst – das Internet.

Ein Schlüsselerlebnis war für mich die Fernsehübertragung vom Attentat auf das World Trade Center am 11. 9. 2001. Dies Ereignis nimmt in den hier präsentierten politischen Bildern eine hervorragende Stellung ein. Was den Einsturz der Twin Towers aber so unvergessbar macht, ist die häufige Wiederholung, die beliebige Reproduzierbarkeit durch ihre medialen Abbilder. Dagegen ist das Malen eines solchen historischen Ereignisses ein einmaliger Vorgang, das Ergebnis ein Unikat. Der Ursprung eines politischen Bildes ist jedoch in der Regel medial und somit beliebig reproduzierbar.

Das Gemälde macht die Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit des Ereignisses bewusst. Dass z.B. der vielfach von Malern aufgegriffene Kapuzenmann von Abu Ghraib oder die ebenso erniedrigten Gefangenen von Guantànamo inzwischen zu Ikonen geworden sind, zu Ikonen des Versagens eines Staates, dessen moralischer Anspruch auf Weltherrschaft durch sein Handeln desavouiert wird. Politische Bilder sind somit nicht bloße Nachbilder ihrer medialen Vorbilder, sondern wie alle Bilder Interpretationen, Parteinahmen, mit denen der Betrachter übereinstimmen kann oder auch nicht.