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Dieser Komplex trägt einen summarischen Titel, er fasst unterschiedliche Ansätze zusammen, denen gemeinsam ist, dass sie sich weniger durch den Gegenstandsbereich als an ihrer Deutung bzw. ihrem Konzept (Zielsetzung, Haltung, Wirkung u.a.) identifizieren lassen. Sie haben zum Teil eine klassische Tradition wie das Stillleben und die Augentäuschung. Andere sind noch ziemlich neu , z.B. die Konzeptkunst. Ein kurzer Überblick:

Die erste Subkategorie fasst zwei Konzepte zusammen, das Stillleben, in dem klassischerweise das Arrangement von toten Gegenständen dargestellt wird (meist von Gebrauchsgegenständen, hier von eher zufälligen Anhäufungen von Schrott) und Raum als eine Kategorie von Bildern, die insbesondere auf die Erzeugung einer räumlichen Illusion abhebt, wie es den Malern der Renaissance durch die Entdeckung der Perspektive erstmals in hervorragender Weise gelungen ist.

Dies Ziel wurde z.T. schon in der Antike erreicht; in der Neuzeit gab es dann die Freude an der Zerstörung oder Ironisierung dieser Illusion, die nun als Augentäuschung entlarvt wurde. In der Moderne, hervorragend vertreten durch Magritte, führten Techniken wie die des Bilds im Bild darüber hinaus zur Aufdeckung der Paradoxien der bildlichen Darstellung überhaupt. Diese kritische Tendenz, radikalisiert in der sogenannten Konzeptkunst (conceptual art) als Auflösung der klassischen Konzeption gegenständlicher Repräsentation, reichte von der Konfrontation von Bild und Sprache bis zur Reduktion auf rein gedankliche Prozesse ohne jede Absicht einer bildlichen Darstellung.

Von solchen kunstgeschichtlichen Gegenbewegungen zu unterscheiden ist die individuelle Auseinandersetzung mit anderen Künstlern oder bestimmten künstlerischen Richtungen durch das Zitat oder die Übertragung (Translation) bestimmter Elemente aus dem Werk eines anderen in das eigene Gemälde, z.B. die Einfügung einer Seerose Monnets in das eigene Teichbild (vgl. Nr. 167) oder die Übernahme eines Landschaftshintergrunds Lorrains und dessen Ausstaffierung mit neuen Figuren (vgl. Nr. 205). Solche Zitate mögen im einfachsten Fall Zustimmung oder Ablehnung ausdrücken oder das Ergebnis einer komplexen Auseinandersetzung mit dem Künstler verdeutlichen.

Alle Bilder in den bisher skizzierten Subkategorien sind unter dem Einsatz realistischer Mittel entstanden. Mit der Subkategorie Abstraktion sind diejenigen Bilder erfasst, die das Konzept der ungegenständlichen oder selbstbezüglichen Kompositionen ganz oder teilweise realisieren, Gegenständliches also als Bezug nicht ganz ausschließen oder, wenn man Gerhard Richter folgt, die Grenzen zwischen Gegenständlichkeit und Ungegenständlichkeit verwischen.

Die beschriebenen Kategorien sind als offene Begriffe zu verstehen, d.h. sie können ihre grundsätzlich vagen Grenzen verschieben oder eine multiple, nicht eindeutig-ausschließliche Zuordnung zulassen. Z.B. kann das Bild Nr. 189 an den Merkmalen aller vier Kategorien teilhaben.